In einem feierlichen Gottesdienst am 17. Juli 2026 in der Bayreuther Stadtkirche erhielten 34 angehende Religionslehrkräfte ihre kirchliche Bevollmächtigung zur Erteilung des Evangelischen Religionsunterrichts – die sogenannte vocatio. Kirchenrat Michael Thiedmann hieß die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer willkommen. Nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung betonte er die verantwortungsvolle Aufgabe, junge Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten.
„Auch Lehrende werden noch klüger"
In ihrer Predigt bezog sich Regionalbischöfin Berthild Sachs auf die Erzählung des zwölfjährigen Jesus im Tempel, dessen Antworten die umstehenden Schriftgelehrten in Staunen versetzten. Davon ausgehend betonte Sachs, dass es ein Privileg des Religionsunterrichts sei, dass beim Theologisieren mit Kindern und Jugendlichen die Grenzen zwischen Lehrenden und Lernenden verschwimmen. Auch, so Sachs, "weil da Glaubensfragen ganz neu und direkt gestellt und mit eigenen Ideen und Alltagserfahrungen beantwortet werden. Weil durch Schülerfragen und -antworten oft genug auch Lehrende noch klüger werden." Darauf dürften sich die zukünftigen Lehrenden gefasst machen – und vor allem aufs Staunen, so die Regionalbischöfin.
In seiner Vokationsansprache unterstrich Kirchenrat Thiedmann die Bedeutung des Religionsunterrichts für die Schülerinnen und Schüler sowie für die gesamte Gesellschaft. Die Erfahrungen des Glaubens könnten für junge Menschen eine wichtige Orientierungshilfe für ihr Leben darstellen. Wie der zwölfjährige Jesus die Schriftgelehrten ins Staunen versetzte, so Thiedmann, würden auch die Schülerinnen und Schüler eigene Gedanken einbringen und mit den zukünftigen Lehrkräften theologisieren. „Denn bei der Suche nach Jesus Christus geht es nicht um vorschnelle Antworten oder angelerntes Wissen", so Thiedmann. „Es kommt auch darauf an, sich selbst für die Botschaft des Evangeliums zu öffnen."
In Bayern besuchen mehr als 320.000 Kinder und Jugendliche den evangelischen Religionsunterricht. Gerade in einer zunehmend unsicher erscheinenden Welt sei es umso wichtiger, dass junge Menschen sich mit Haltungen zu Nächstenliebe, Toleranz und Gerechtigkeit auseinandersetzen.
Segnung und Empfang
Im Anschluss übergab Pfarrerin Gudrun Wellhöfer die vocatio-Urkunden. Mit einer Segnung durch Regionalbischöfin Sachs wurde den 29 Frauen und 5 Männern offiziell die Bevollmächtigung ausgesprochen, evangelischen Religionsunterricht an Grund-, Mittel-, Real- und Förderschulen zu erteilen. Zum Abschluss feierte die Gemeinde gemeinsam das Abendmahl. Danach nutzten die frisch Vokierten, ihre Gäste sowie Vertreterinnen und Vertreter von Kirche und Staat die Gelegenheit, beim Empfang ins Gespräch zu kommen und den besonderen Tag ausklingen zu lassen.
Grußworte von Staat und Kirche
Stefan Kuen, Abteilungsdirektor für den Bereich Schulen, sprach als Vertreter der Regierung von Oberfranken ein Grußwort. Er betonte die wichtige Rolle des Religionsunterrichts für das Miteinander an den Schulen: Insbesondere dort, wo Religionslehrkräfte ihren Glauben sichtbar einbringen, seien positive Auswirkungen innerhalb der Schulfamilie spürbar. Pfarrerin Katharina Kemnitzer überbrachte ein Grußwort für den Gesamtverband für Evangelische Erziehung und Bildung. Religionspädagogin Daniela Lange, Fachberatung für den Religionsunterricht an Grund- und Mittelschulen, bot den neuen Lehrkräften ihre Begleitung für die künftige Aufgabe an.
Botschafter von Gottes Liebe
Mit der kirchlichen Bevollmächtigung tragen die 34 neuen Lehrkräfte nun eine besondere Verantwortung. Sie sind nicht nur Wissensvermittler, sondern auch Wegbegleiter, die jungen Menschen die Gewissheit schenken, in den Höhen und Tiefen des Lebens getragen zu sein. „Wir freuen uns, dass Sie als Botschafter von Gottes Liebe und Barmherzigkeit unterwegs sein werden", sagte Thiedmann abschließend. Mit anhaltendem Applaus starteten die neuen Religionslehrerinnen und -lehrer in ihren Dienst. „Als Religionslehrkräfte gehören Sie mitten hinein in die große Lerngemeinschaft Gottes – mit heranwachsenden Menschenkindern, die oft genug Probleme haben und auch Probleme machen", so Regionalbischöfin Sachs, die allen wünschte, über all dem das Staunen nicht zu verlernen.
Micha Götz
